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Die Weichen sind gestellt – bin ich zu alt für Veränderung?

  • Beitrags-Kategorie:Coaching
  • Lesedauer:13 min Lesezeit

Das ist ein Satz, den ich selbst lange Zeit geglaubt habe und den ich immer wieder von Frauen höre, die sich in der zweiten Lebenshälfte befinden. Es gibt im Leben eine Zeit, in der man sich ausprobieren kann. Doch irgendwann fallen die Entscheidungen: Für den Beruf, für die Beziehung, für die Art, wie man leben möchte. Damit sind die Weichen gestellt. In der Generation meiner Eltern war das so! Da wurde dann nichts mehr verändert, höchstens auf der Karriereleiter nach oben, aber keine radikalen Veränderungen mehr, auf keinen Fall freiwillig und bloß nicht vom Weg abkommen. Denn: Jetzt ist man zu alt für Veränderung.
Aber ist er wirklich wahr? Gern nehme ich dich mit auf meinen Weg!

Lebensmitte – alles läuft, aber an mir vorbei…

Da ist sie jetzt also – die Lebensmitte – und ich mittendrin. Da wollte ich doch immer hin: Einen festen Job, keine Geldsorgen, eine feste Beziehung, ein Häuschen außerhalb der Stadt, die Kinder sind groß. Eigentlich wunderbar, oder? Doch ich finde es gar nicht toll, fühle mich wie in Watte gepackt, kann mein Leben nicht mehr fühlen. Der Job frisst mich auf, lässt mir kaum noch Zeit für andere Dinge. Meine Beziehung dümpelt so vor sich hin, im Grunde fühle ich mich einsam.
So langsam rebelliert mein Körper: Ich bekomme Atemnot, Schlafstörungen, Rückenschmerzen, Herzrhythmusstörungen. Was ist hier los? Bin ich nicht glücklich? Und warum????

Angststarre lässt mich ausharren

Ich weiß nicht mehr, was ich will. Kurz vorm Burnout wird mir eine Reha bewilligt. Wow, 6 Wochen Auszeit, ganz für mich – das hatte ich noch nie. Es ist eigentlich klar, dass die Beziehung nicht mehr stimmt. Ich fühle mich zu oft allein, die Gemeinsamkeiten sind uns abhanden gekommen, es fehlt das Gespräch. Zu viel bleibt an mir hängen, es fehlen Verlässlichkeit und Unterstützung. Doch soll ich mich deswegen trennen? Das habe ich doch schon zweimal hinter mir und jetzt schon wieder? Ich bin zu alt dafür, schießt es mir durch den Kopf. Ich darf nicht immer weglaufen, muss mal etwas durchziehen. Das Leben ist kein Ponyhof – kennt man doch, weiß ich doch!! Und außerdem liebe ich meinen Partner! Oder doch nicht? Was ist das eigentlich, Liebe?

Alles verschwimmt, ich tappe im Nebel. Trau mich nicht, hab Angst. Ist es so nicht besser, als allein zu sein? Dabei spüre ich in meinem tiefsten Innern schon seit längerem, dass ich mich weniger allein fühlen würde, wäre ich Single. Fühlt man sich in einer Beziehung allein, dann ist die Einsamkeit unendlich viel größer als wäre man tatsächlich ohne Partner.

Ich spüre das alles, habe in mir dieses Wissen und doch schrecke ich vor Konsequenzen zurück. Finde ich nochmal einen neuen Partner, in meinem Alter? Komm ich allein finanziell über die Runden? Muss ich aus dem Haus ausziehen? Kann ich mir dann nichts mehr leisten? Bin ich eine Versagerin, weil ich es mal wieder nicht geschafft habe mit meiner Beziehung? Bin ich gar beziehungsunfähig? Alles krampft sich in mir zusammen – ich habe Angst!

Meinen Job kann ich auch nicht kündigen, wovon soll ich leben? Und dann auch noch ohne Partner? Nein, ich kann nichts verändern. Ich habe die Weichen gestellt. Da muss ich jetzt durch und irgendwie mit meinem Leben klar kommen.

zugefrorener Teich mit eingeschlossenen Bäumen

Was bedeutet Veränderung?

Ein kleiner Exkurs: Was bedeutet Veränderung? Ich verlasse die gewohnte Bahn, schlage einen neuen Weg ein. Das macht zuerst einmal Angst. Denn: Ich weiß nicht, wohin mich dieser Weg bringt. Ich weiß nicht, ob er mich wirklich dahin führt, wo ich hin möchte.

Verlassen der Komfortzone

Veränderung hat den Geschmack von Abenteuer, ist mit dem Verlassen der Komfortzone verbunden. Was ist denn das eigentlich – die Komfortzone? Dahinter verbirgt sich dein bekannter Lebensbereich, in dem du dich sicher und wohl fühlst. Dieser Begriff umfasst alles, was du kennst und einschätzen kannst.
Ein Beispiel: Stell dir vor, du gehst einen vertrauten Weg durch den Wald, den du schon viele Male entlang gewandert bist. Vielleicht kennst du ihn so gut, dass du ihn sogar mit verbundenen Augen gehen kannst. Du weißt, wie lange du unterwegs sein wirst, wie anstrengend er ist (oder auch nicht), welches Schuhwerk du benötigst, Was du auf diesem Weg sehen wirst. Meistens birgt er keine Überraschungen.

Lust auf Neues oder lieber beim Alten bleiben?

Irgendwann aber ist es dir zu langweilig und du nimmst eine Abzweigung, die du zuvor noch nie gegangen bist. Jetzt verlässt du deine Komfortzone, denn alles, was du über den alten Weg wusstest, trifft hier nicht mehr zu. Es kann sein, dass dieser Weg in einer Sackgasse endet. Es kann sein, dass er viel länger oder auch viel kürzer als der alte Weg ist. Es kann sein, dass du nicht das richtige Schuhwerk hast, weil er morastiger ist als der alt vertraute Weg, usw…. Aber es kann auch sein, dass du etwas Neues entdeckst: Neue Pflanzen, wunderschöne Ausblicke, vielleicht führt er dich zu einer Lichtung oder in ein romantisches Stück Landschaft? Vielleicht gelangst du an einen einsamen herrlichen See usw…. Alles ist möglich, nichts ist sicher.

Du hast also immer die Wahl: Bleibst du auf deinem ausgetretenen Pfad oder wagst du etwas Neues? Frage dich einmal, was du alles nicht entdeckt hättest, wärest du immer demselben Pfad gefolgt. Auch hier fällt mir ein Sprichwort ein: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Frau an einer Weggabelung

Was ist anders im Alter?

  • Im Alter schrumpft die Lebenszeit.
  • Die Kraft und die Energie nehmen ab.
  • Die berufstätige Zeit, in der man Geld verdienen kann, wird immer weniger.
  • Die Attraktivität, so wie sie normalerweise definiert wird, schrumpft – besonders für uns Frauen immer noch ein Aspekt, der uns zu schaffen macht.
  • Es schleichen sich immer mehr Wehwehchen ein, die körperliche Fitness ist mitunter eingeschränkt.

Vielleicht fallen dir noch ein paar mehr Aspekte ein – schreib es mir gern in den Kommentar! Ich bin neugierig!
Das alles sind jedenfalls Faktoren, die uns festhalten lassen an alt Bekanntem und unsere Risikobereitschaft senkt. Denn: Jeder neue Weg ist mit einem Risiko verbunden.

Doch bringt das Alter nicht nur Einschränkungen mit sich, sondern auch Vorteile, die wir uns bewusst machen sollten:

  • Wir verfügen über einen reichen Erfahrungsschatz.
  • Meistens können wir einschätzen, was uns gut tut und was nicht.
  • Wir kennen uns und unseren Körper.
  • Wir wissen, was wir uns zutrauen können.
  • Wir wissen (hoffentlich), dass das Leben endlich ist.
  • Wir verfügen über ein Netzwerk.
  • Wir kennen unsere Stärken (falls nicht, sollten wir sie uns bewusst machen).

Diese Ressourcen, auf die wir im Alter zurückgreifen können, bedeuten einen wahren Schatz. Bist du dir dieser Ressourcen nicht sicher, dann lass uns reden. Du verfügst nämlich über sie!

Frau im Portrait, die sich an einen Baumstamm lehnt

Kurskorrektur mit Ende 50

Tja, nicht alles war so geplant. Zwar war ich in meiner Beziehung lange nicht mehr glücklich, aber beenden wollte ich sie noch nicht. Da hat mich mein Partner vor vollendete Tatsachen gestellt und ist gegangen. Mittlerweile bin ich ihm dankbar dafür, denn diese Trennung hat mein Leben zum Besseren verändert.

Meine Arbeit als Lehrerin habe ich dann selbst gekündigt und mich als Coach selbstständig gemacht. Seitdem lebe ich intensiv, achte auf meine Bedürfnisse und auf ein gesundes Leben. Ich fühle mich frei und habe mein Leben selbst in der Hand.

Stelle deine Weichen neu

Wie wäre es, wenn du dein Traumleben leben würdest? Wie sähe das aus? Wie fühlt sich das an? Möchtest du wirklich auf all das verzichten aus lauter Angst, deine Sicherheit zu verlassen? Unterschätze nicht die Macht, die unser Wille hat. Haben wir Klarheit über das, was wir uns wünschen und wirklich wirklich wollen, dann entsteht ein Sog, der unsere Schritte konsequent in diese Richtung lockt.

Stelle dich deinen Ängsten

Um deine Ängste in ihre Schranken zu verweisen, frage dich: Was wäre das Schlimmste, das passieren könnte? Meistens sind die möglichen Konsequenzen viel weniger schlimm, wenn wir bewusst darüber nachdenken, als wir es uns vorher ausgemalt haben.

Überprüfe deine Werte

Wenn du eine Unzufriedenheit in deinem Leben, deinem Job, deiner Beziehung spürst, die nicht vorübergehender Natur ist (das ist ganz normal), sondern sich eingenistet hat, dann wird es Zeit, sich deinen Werten zu widmen. In der Regel ist das ein Zeichen dafür, dass du nicht in Übereinstimmung mit deinen Werten lebst, was Energie raubt und unglücklich macht. Sobald du deine Werte überprüft und eventuell neu bestimmt hast, eröffnet dir das den Sinn, den du deinem Leben geben möchtest und daraus kannst du die Kraft schöpfen, tatsächlich den ersten Schritt zur Veränderung zu unternehmen. In meinem Artikel „Nach meinen Werten leben“ gehe ich näher auf die Bedeutung der Werte für das eigene Leben ein.

Verschaff dir einen Überblick über deine Ressourcen

Es muss ja nicht sofort ein Radikalumschlag werden. Wichtig ist es, genau auf die eigenen Ressourcen zu schauen, um sich nicht zu überfordern. Wenn du zum Beispiel keine Rücklagen hast, aber allein verdienend noch für deine Kinder sorgen musst, dann kündige nicht deinen Job bevor dein neues Einkommen gesichert ist!

Formuliere dein Ziel und mach den ersten Schritt

Das Ziel muss sich gut anfühlen. Im Folgenden geht es daran den Weg zu planen. Kleine Schritte machen, das große Ziel in kleine Teilziele herunterbrechen, – das ist hier das Zauberwort. Hilfreich ist dabei einen Vertrag mit sich selbst zu schließen, der eine zeitliche Begrenzung enthält, sowie eine klare Formulierung des Teilzieles, so dass es überprüfbar ist. Am Ende der von dir gesetzten Zeitspanne wird evaluiert und das nächste Ziel unter Umständen angepasst.

Brauchst du Unterstützung?

Das ist allein nicht immer zu bewältigen, sondern erfordert mitunter Unterstützung, Begleitung, Austausch. Gern helfe ich dir bei den einzelnen Schritten und bestimme mit dir gemeinsam den richtigen Weg. Wenn du dich angesprochen fühlst, so melde dich gern bei mir.

Willst du wissen, wie mein Weg weitergegangen ist? Dann lies doch mal „Wie ich wurde, was ich bin: Von der Lehrerin zum Lifecoach“.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Britta Langhoff

    Ich sehe das ganz genauso: Man ist nie zu alt für Veränderung. Man ist aber irgendwann zu alt dafür, seine Wünsche, Ziele, Träume immer weiter nach hinten zu verschieben. Ich finde, man muss sich das deutlich klarmachen. Zeit bekommt man nie wieder. Wir haben uns auch gefragt: Worauf wollen wir warten? Und haben unser Leben mit Mitte 50 geändert. Vor allem ich musste dafür über meinen Schatten springen, aber im Nachhinein bin ich dankbar.
    Dein Beitrag zeigt das super auf, man kann das gar nicht oft genug sagen. Jedes gelungene Beispiel für Veränderung – auch und gerade, wenn man älter wird – ist eine Inspiration .
    Liebe Grüße
    Britta

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