Rückblick: Mein Mai 2022

Maiglöckchen, wild wachsend
Maiglöckchen

Seit mehreren Jahren erlebe ich die Natur sehr intensiv. Jeder Monat lässt sie mich auf ganz spezifische Weise erleben, aber der Mai mit seiner Blütenpracht stellt dabei etwas ganz Besonderes dar. Unglaublich, welche Veränderung die Natur in dieser Zeit durchmacht.
Die erste Hälfte des Monats war durch die Beerdigung meiner Freundin Astrid (Name geändert) noch sehr von Trauer geprägt. Ich musste erstmal meine Mitte wiederfinden.
Aber ich hatte sehr viele schöne Erlebnisse mit Menschen, die mir nahestehen. Und: Dieser Mai hat mich meinem Weg ins Online-Business einen gehörigen Schritt näher gebracht.

In der Natur baden

Frisches Gras unter Bäumen , die ihre ersten Blätter bekommen
Das frische Grün und die zarten Blätter erfreuen das Auge

Im Mai scheint die Natur förmlich zu explodieren. Die Bäume blühen, dann wird alles grün. Ich liebe dieses frische Grün, das eine neue Stimmung in die Welt zaubert. Seit ich täglich spazieren gehe und sehr oft dieselben Wege wandle, nehme ich die Veränderungen in der Natur sehr bewusst wahr. Da blüht schon wieder eine Pflanze, die ich gestern nicht gesehen habe….
Sehr eindrucksvoll ist die Veränderung am Farn zu beobachten:

Der Farn beginnt zu wachsen
Nun ist der Farn mannshoch
Sally genießt die Pausen

Auf meinen Ausflügen habe ich immer mein Handy dabei und halte alles fotografisch fest, was mir auffällt. Das hat meinen Blick geschärft und mich sehr viel achtsamer durch die Natur streifen lassen. Mein Tempo hat sich total reduziert und Sally wartet immer geduldig auf mich, wenn’s gerade mal wieder etwas länger dauert…. Sie scheint es mittlerweile sogar zu bevorzugen, in Ruhe umherstreifen zu können als nur Kilometer runterzureißen.

Mehrmals war ich mit meinen Enkelinnen auf Walderkundung. Es ist immer eine Freude zu sehen, wie interessiert sie ihre Umgebung aufsaugen und mit Begeisterung auf alles klettern, was sich anbietet. Die Samen jeder Pusteblume wurden auf die Reise geschickt. Reich an Schätzen kehrten wir nach Hause zurück, die Taschen voller Steine und Zapfen, die Hände voller Stöcke….

Können Hunde depressiv sein?

Meine Hündin Sally ist nun fast zwei Jahre bei mir und hat sich zu einem super entspannten Hund entwickelt. Im Juli 2020 fand sie aus einem russischen Tierheim zu mir und war erstmal ziemlich verstört. Alles war ihr fremd und in den ersten Tagen wäre sie am liebsten gar nicht vor die Tür gegangen. Sie wollte nicht allein bleiben, bei anderen Menschen aber auch nicht. Meine Enkel hat sie angebellt und ließ sich nicht anfassen.
Mittlerweile hat sich das komplett geändert: Sie versteht sich mit so ziemlich jedem, egal ob Mensch oder Hund. Zwar ist sie noch vorsichtig und zurückhaltend, aber Panik scheint ihr fremd zu sein. War mein früherer Hund bei Gewitter, Knallern, Schüssen, Heißluftballons nicht mehr zu halten vor lauter Angst, beunruhigt Sally das zwar, aber sie ist weit von Panik entfernt.

Begegnet sie allerdings pöbelnden Hunden, dann vergeht ihr der Spaß. Sie will nichts mehr mit ihnen zu tun haben und möchte am nächsten Tag diesen Weg auch lieber meiden.
Im Mai habe ich für mehrere Spaziergänge Sallys alten Hundefreund Watson mitgenommen. Ich dachte, Sally fänd das super, weil sie früher mit Watson immer nach Herzenslust rumgetobt ist. Aber Pustekuchen, schon beim zweiten Mal wollte sie nicht mehr mitgehen und ließ sich ziehen (sehr ungewöhnlich). Zudem legte sich Watson auch noch mit einem anderen Hundefreund Sallys an und fiel über ihn her. Kurz darauf meinte er auch noch Sally vertreiben zu müssen, als es für beide Leckerchen gab. Sally wehrt sich nicht, aber offenbar leidet sie still. In der Folge wollte sie auf keinen Fall mehr neben Watson gehen, sondern wechselte an der Leine grundsätzlich die Seite. Ließ ich sie unterwegs los, verabschiedete sie sich jedes Mal sofort in den Wald und kam dann nur zögerlich wieder.
Es wirkte so, als wäre sie der Meinung: Wenn du mit Watson gehst, na gut, aber dann ohne mich.
Mein Hund war nicht wiederzuerkennen und machte noch Tage später einen verstörten, regelrechten deprimierten Eindruck….

Zwei Hunde nebeneinander sitzend, die in die Kamera schauen. Ein Australien Shepherd und ein hellbeiger Mischlingshund.
Sally und Watson, eigentlich ein Traumpaar!

Dann hatten wir ebenfalls im Mai den Hund meines Sohnes über Nacht zu Besuch. Während mein Sohn und seine Partnerin zu einer Party wollten, betreute ich ihren noch jungen Boxer Kalle. Das war eine Aufgabe! Kalle wurde die ganze Nacht von großem Trennungsschmerz geplagt und kam überhaupt nicht zur Ruhe – er ist eh ein ziemlich aufgedrehter, hyperaktiver Hund.
Sally zeigt kein Revierverhalten und lässt andere Hunde ohne Protest ins Haus, in ihr Körbchen, an ihren Napf. Sie schien sogar ein wenig Mitleid mit Kalle zu haben, legte sich in seine Nähe, als wolle sie ihn mit ihrer Anwesenheit beruhigen.
Spazierengehen aber mit Beiden war gar nicht möglich. Kalle zog wie ein Verrückter nach vorn, während Sally die Bremse einlegte – und ich dazwischen. Das wurde nur eine kurze, wenig entspannte Runde.
Die Psyche eines Hundes, ein Kapitel für sich…..

Sally und Kalle – im Garten wirkt es sehr entspannt

Eine intensive Zeit der Trauer – alles ist anders und doch kehrt der Alltag wieder ein

Wie schon der April, so war auch der Mai noch intensiv vom Tod meiner Freundin Astrid geprägt. Am 5. Mai war ihre Beerdigung, auf der wir mit dem Chor gesungen haben (sie hatte vor ihrem Tod Liederwünsche geäußert), was emotional nicht ganz leicht war. Zweimal hatten wir uns zuvor mit dem Chor zum Proben getroffen und jedes Mal vorher ging es mir den Tag über schlecht. Doch siehe da: Das Singen half! Während ich vorher dachte, dass ich keinen Ton rausbekommen würde – gerade weil der Text der ausgesuchten Lieder durchdrungen war von Tod, Trauer, Verabschieden – wirkte das Singen befreiend auf mich.
Auf der Beerdigung allerdings war das noch mal eine ganz andere Nummer. Von morgens an habe ich dauernd geheult und auch während unseres Beitrags versagte mir manchmal die Stimme. Aber nicht nur mir. Glücklicherweise traf es uns nicht gleichzeitig, so dass der Gesang nie völlig versiegte. Es war hart, aber auch eine große Ehre und sehr schön, auf diese Weise Abschied nehmen zu können.
Sehr berührend war es, wie viele Menschen gekommen waren, um gemeinschaftlich über Astrids zu frühes Lebensende zu trauern.
Als ich am späten Nachmittag wieder zu Hause war, merkte ich erst, wie ausgelaugt ich mich fühlte. Emotionale Anstrengung macht nicht minder kaputt als körperliche Höchstleistungen, wahrscheinlich sogar mehr.

Bereits drei Wochen nach der Beerdigung sortierte Astrids Mann ihre Kleidung aus und fragte uns, ob wir Interesse – in Erinnerung an sie – daran hätten. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, wie tief beeindruckt ich davon bin, wie Astrids Mann mit dieser Situation umgeht. Die beiden hatten eine innige und sehr lange Verbindung, keine Ahnung mehr, wie lange, aber so um die 40 Jahre!!! Der Schmerz ist sehr groß und dennoch kann ihr Mann den Tod annehmen und auch schon wieder lachen. Wir können gemeinsam ganz offen über Astrid reden. Ich habe viel gelernt über den Umgang mit dem Tod.

Noch blüht die Tulpe, von der ich Astrid ein Foto ins Krankenhaus geschickt hatte

So trafen wir uns also mit 5 Frauen an einem Samstag mit sehr gemischten Gefühlen in seinem Haus. Anfangs flossen noch viele Tränen, aber es war schön, gemeinsam Erinnerungen auszutauschen, die natürlich auch durch manche Kleidungsstücke sehr präsent waren. Einige von uns schreckten davor zurück, Astrids Sachen zu nehmen und konnten sich (noch) nicht vorstellen, sie zu tragen. Ich selbst habe mich darüber gefreut und fühle mich Astrid dadurch sehr verbunden. Ihre Sachen trage ich voller Liebe und Dankbarkeit und werde sie in Ehren halten.

Mein Business geht voran

Ende Mai habe ich an der Boom Boom Blog Challenge von Judith Peters teilgenommen. Mehr als zwei Wochen hat sie uns mit kostenlosem Content versorgt und uns ihre unfassbar hohe Energie geschenkt, die unweigerlich abfärbte und mich ins Schreiben gebracht hat. Das Thema war aber auch sehr inspirierend: Wie ich wurde, was ich bin. So ist mein Blogartikel „Von der Lehrerin zum Lifecoach“ entstanden, der mich dazu angeregt hat, mein Leben Revue passieren zu lassen und mir alle Stationen in Erinnerung zu rufen, die mich dahin geführt haben, wo ich heute stehe. Regelmäßig habe ich dazu auf Facebook und Instagram gepostet, dazu gelernt, was man in Storys alles machen kann und meine Business-Seite auf Facebook angelegt.

Die Boom Boom Blog Challenge bei Judith Peters

Parallel dazu habe ich mein erstes Coaching begonnen, weiter an meiner Webseite gearbeitet, die hoffentlich im Juni ein neues Outfit bekommt und mehr Informationen über mich und meine Angebote enthält. Ich habe neue Programm-Ideen gesammelt, die ihr dann demnächst dort vorfinden werdet.

Ein altes Bodendenkmal verschwindet

Der Aachener Landgraben bezeichnet eine ehemalige Festungsanlage, die den 70 km langen Grenzverlauf des Aachener Reiches markierte. Anfang des 17. Jahrhunderts wurden dort Grenzsteine aufgestellt und eine dichte Buchenhecke gepflanzt. Durch Aufschütten von Wällen und Verdichtung des Unterholzes maß diese Hecke fast 10 m Höhe. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Pflege des Walls eingestellt, so dass die Bäume zu so genannten Harfenbäumen in die Höhe schossen. Sie haben keinen Hauptstamm, sondern teilen sich schon häufig von Bodenhöhe an in mehrere Stämme.
So langsam haben diese Buchen ihr maximales Alter erreicht. Immer wieder fällt nun eine von ihnen starken Stürmen zum Opfer, besonders an Stellen, wo benachbarte Waldstücke infolge radikaler Waldwirtschaft stark gerodet wurden. So fiel auch im Mai wieder einer dieser 350 Jahre alten Bäume. Mir kommen jedes Mal die Tränen. Es ist so beeindruckend sich vorzustellen, was dieser Baum alles erlebt hat und so traurig, wenn einer dieser Zeitzeugen verschwindet.

Eine 350 Jahre alte Buche, dem Sturm zum Opfer gefallen

Was sonst noch so los war im Mai

  • Im Mai häuften sich die Geburtstage: Eine sehr liebe Freundin wurde 70, meine Schwester, die in Hamburg lebt, 69 Jahre alt. Meine beiden „großen“ Enkel, deren Geburtstage nur 5 Tage auseinander liegen, 9 und 12 Jahre alt. Es wurde viel gefeiert. Wie schön, endlich wieder in einer größeren Gruppe von lieben Menschen zusammen sein zu können.
  • Seit langer Zeit habe ich die älteste Tochter meines Expartners wiedergesehen. Ich habe sie in Köln besucht und wir haben einen wunderschönen Spaziergang am Rhein zusammen mit Sally gemacht, die sich immer über Wasser freut, so lange der Bauch nicht nass wird….
Sally im Rhein
  • Unsere Frauen-Doppelkopfrunde ist nur noch zu viert!
    Bei unserem ersten Treffen nach Astrids Tod haben wir lieber Boule im Park gespielt und den Geburtstag einer der unsrigen nachgefeiert. Das könnt ihr in meinem 12 von 12 im Mai nachlesen. Es wurde ein wunderschöner Frühlingsabend.
    Kurz darauf haben wir es uns dann vor der Urlaubssaison noch mal zum Doppelkopf verabredet. Dabei kam ein Kartenspiel zum Einsatz, auf dem wir alle anstelle der Könige, Damen und Buben abgebildet sind (ehemaliges Geburtstagsgeschenk für eine von uns). Auf diese Weise hatten wir Astrid bei uns. Da lagen – wie so oft – Freude und Schmerz eng beieinander.
  • NDT2 (Nederlands Dans Theater) in Heerlen: Sudden and Suspended. Drei Choreographien, alle sehr unterschiedlich, jede für sich sehr eindrücklich. Wie immer tanzt diese Kompanie auf so hohem Niveau, dass ich nie enttäuscht bin, sondern die Darbietung stets in vollen Zügen genieße.
  • Panne beim Kartenvorverkauf von „Spannungen“, der Konzertreihe im alten Kraftwerk in Heimbach. Jedes Jahr ein Highlight. Daher muss man schnell sein beim online-Kartenvorverkauf, denn in Kürze sind alle Karten vergriffen. In diesem Jahr klappte gar nichts. Das ist die Gefahr, wenn man die Webseite erneuert… Ich gab frustriert nach einer halben Stunde vergeblicher Mühe auf und äußerte meinen Kartenwunsch per Mail. Und siehe da: Ich habe meine Karte ergattert und freue mich schon!
  • Endlich wieder Chorproben in unserem Probenraum
  • Intensiv war ich auf Wohnungssuche, bisher aber leider vergeblich. Allerdings haben sich dadurch einige neue Kontakte ergeben, die eventuell langfristig eine Perspektive ergeben in Bezug auf eine Wohngemeinschaft bzw. ein Wohnprojekt. Spannend!!
  • Frühstück mit meiner Tochter, die aus Hamburg zu Besuch war.
  • Mein Versuch, Sally für Agility zu begeistern, ist gescheitert. Während die anderen Hunde freudestrahlend den Parcour absolvierten, musste ich Sally zu jeder Station mit Engelszungen überreden. Sie tat, als wolle ich ihr etwas antun, so dass ich das Experiment Ende Mai wieder aufgegeben habe.
  • Schwimmen üben mit meiner Enkelin. Die Wartezeiten auf einen Schwimmkurs sind so lang, dass ich das nun mit dem dritten Kind meines Sohnes selbst versuchen will. Allein, es fehlt die Regelmäßigkeit….. Aber noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben.

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